Im Mai haben die Logistik-Studierenden der Technischen Hochschule Branden-burg (THB) die Industrie- und Handelskammer in Potsdam besucht. Von der Frage wie Interessenvertretung konkret funktioniert, über den Einfluss von Europa auf ortsansässige Unternehmen bis hin zur Verkehrspolitik und Nachfolgeplanung in Unternehmen in Brandenburg wurden diverse Themenbereiche diskutiert.
„Unser Ziel an der THB ist eine möglichst realitätsnahe Ausbildung unserer Studierenden. Um Logistikprojekte erfolgreich umzusetzen, ist es wichtig, seine sogenannten Stakeholder gut zu kennen. Die IHK ist für die Logistik ein wichtiger Partner, insbesondere wenn es um Transportlogistik geht“, sagt Prof. Dr. Thomas Rennemann, THB-Professor im Fachbereich Wirtschaft für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Organisation und Logistik.
Die IHK in Potsdam ist eine von insgesamt 79 Kammern in Deutschland und umfasst in ihrem Kammerbezirk über 83.000 Industrieunternehmen. Barbara Nitsche, Fachbereichsleiterin Interessenvertretung bei der IHK Potsdam, gab Einblicke in ihre tägliche Arbeit, beispielsweise bei Energie- oder Klimafragen. Dabei wurde schnell klar, wie facettenreich das Aufgabenspektrum ist. Von dem Erkennen eines gemeinsames „Interesses“ innerhalb der Mitgliedsunternehmen, über das Bündeln dieser Interessen in einer gemeinsamen Position bis hin zum Vertreten dieser Position gegenüber der Politik und anderen Verbänden.
Das rund 70 Prozent der Wirtschaftsgesetzte, die auch Logistikunternehmen betreffen, bei der EU in Brüssel verhandelt und beschlossen werden, war für die Teilnehmenden eine Überraschung. Umso interessanter waren die Ausführungen von Sandra Zwick, Referentin für Europapolitik & Außenwirtschaftsförderung bei der DIHK in Brüssel, die digital dazugeschaltet war. Neben Innenansichten, wie Wirtschaftsbelange in Gesetzesvorlagen gelangen, waren insbesondere ihre persönlichen Eindrücke über die Zusammenarbeit mit anderen europäischen Interessensverbänden und den EU-Gremien spannend.
„Verkehrspolitik ist immer auch aktive Wirtschaftspolitik“, so Pascal Hoyer, Referent für Verkehrspolitik und Logistik bei der IHK Potsdam. Am Beispiel des Ausbaus der Bundesstraße 96 verdeutlichte er, wie „dick die Bretter sind, die die IHK bohren“ muss. Konkret handelt es sich um ein 2004 gestartetes Infrastrukturprojekt, das die logistische Versorgungs- und Ankunftsstraße für rund 340.000 Menschen und mehr als 20.000 Unternehmen darstellt. An diesem greifbaren Beispiel konnten die Studierenden nachvollziehen, was es mit Genehmigungsverfahren und Planfeststellungsverfahren auf sich hat. Etwas was sie später im Job zum Beispiel bei Betriebserweiterungen oder Neubauprojekten wieder finden werden.
Zum Abschluss des Besuchs machte Luise Böttcher, Projektmanagerin Unternehmensnachfolge IHK Potsdam, auf ein gesellschaftspolitisches Thema aufmerksam, das noch zu wenig öffentlich diskutiert wird: die Unternehmensnachfolge. Allein im Kammerbezirk Potsdam haben rund 24.000 Unternehmen eine Geschäftsführerin oder einen Geschäftsführer im Alter von über 55 Jahren. Das heißt, dass hier in den nächsten 10 bis 15 Jahren eine Geschäftsnachfolge ansteht. Luise Böttcher zeigte in diesem Zusammenhang die zahlreichen Unterstützungsangebote über die verschiedenen Phasen einer Geschäftsübergabe auf – sicher auch ein relevanter Ansatz für Studierende, die über die eigene Selbstständigkeit nachdenken.
„Besonders erstaunt hat mich, wie viele Unternehmen durch die IHK vertreten werden und wie komplex die Abstimmung unterschiedlicher Interessen tatsächlich ist“, resümierte ein teilnehmender Studierender nach der Veranstaltung.


