Planspiele sind eine handlungs- und erfahrungsorientierte Lehr-Lern-Methode, bei der Studierende komplexe Situationen in einer simulierten Umgebung bearbeiten. Sie übernehmen unterschiedliche Rollen, treffen Entscheidungen und erleben deren Auswirkungen innerhalb eines vereinfachten Modells der Realität. Auf diese Weise können theoretische Kenntnisse angewendet, Zusammenhänge untersucht und Handlungsalternativen erprobt werden.
"Ich höre und ich vergesse. Ich sehe und ich erinnere mich. Ich tue und ich verstehe." - Konfuzius
Planspiele werden in unterschiedlichen Fachdisziplinen eingesetzt, beispielsweise in der Betriebswirtschaftslehre, der Informatik, dem Projektmanagement oder der politischen Bildung. Sie ergänzen klassische Lehrformate um eine anwendungsorientierte Perspektive und unterstützen eine kompetenzorientierte Hochschullehre.
Die Planspielmethode bietet verschiedene Möglichkeiten zur Gestaltung aktiver und praxisnaher Lernprozesse:
Anwendung theoretischer Kenntnisse: Studierende übertragen erworbenes Fachwissen auf konkrete Entscheidungssituationen und setzen sich mit dessen praktischer Bedeutung auseinander.
Verständnis komplexer Zusammenhänge: Planspiele machen Wechselwirkungen, Zielkonflikte und zeitverzögerte Auswirkungen von Entscheidungen erfahrbar.
Entscheidungs- und Problemlösekompetenz: In Situationen mit unvollständigen Informationen oder begrenzten Ressourcen müssen Handlungsalternativen entwickelt, bewertet und ausgewählt werden.
Erfahrungslernen in einer geschützten Umgebung: Unterschiedliche Vorgehensweisen können erprobt und Fehler analysiert werden, ohne dass daraus reale wirtschaftliche oder organisatorische Schäden entstehen.
Kommunikation und Zusammenarbeit: Insbesondere teamorientierte Planspiele schaffen Anlässe für Abstimmung, Verhandlung und die gemeinsame Entscheidungsfindung.
Reflexion und Lerntransfer: Die Auswertung der Spielergebnisse und die gemeinsame Diskussion der Erfahrungen ermöglichen es, Erkenntnisse mit fachlichen Konzepten und beruflichen Anwendungssituationen zu verknüpfen.
Digitale Planspiele erweitern die Einsatzmöglichkeiten simulationsbasierter Lehrmethoden. Computergestützte Modelle ermöglichen es, komplexe Systeme dynamisch abzubilden, Entscheidungen automatisiert auszuwerten und unterschiedliche Entwicklungsverläufe zu simulieren.
Webbasierte Planspiele erleichtern den ortsunabhängigen Zugang und können in Präsenz-, Online- oder hybride Lehrveranstaltungen eingebunden werden. Abhängig von ihrer technischen und didaktischen Gestaltung bieten sie Möglichkeiten, Spielverläufe zu dokumentieren, Ergebnisse vergleichbar zu machen und individuelle Lernprozesse zu begleiten.
Die Digitalisierung ist dabei kein Selbstzweck. Entscheidend bleibt, wie die digitalen Werkzeuge zur Erreichung konkreter Lernziele eingesetzt werden.
Digitale Planspiele können einen Beitrag zur zeitlichen und räumlichen Flexibilisierung von Studienangeboten leisten. Insbesondere für berufsbegleitende, weiterbildende und internationale Studiengänge bieten sich zusätzliche Möglichkeiten, Lernaktivitäten an unterschiedliche zeitliche und organisatorische Rahmenbedingungen anzupassen.
Abhängig vom jeweiligen Planspiel können Studierende Simulationen eigenständig durchführen, Entscheidungssituationen wiederholt bearbeiten und Ergebnisse im individuellen Lerntempo analysieren. Dadurch lassen sich Teile des Lernprozesses in asynchrone Selbstlernphasen verlagern, ohne dass eine durchgängige zeitgleiche Anwesenheit aller Teilnehmenden erforderlich ist.
Dies eröffnet unterschiedliche didaktische Einsatzmöglichkeiten:
Selbstgesteuertes Lernen: Studierende können sich eigenständig mit Entscheidungssituationen auseinandersetzen und ihre Vorgehensweisen analysieren.
Flipped Classroom: Planspielphasen können der individuellen Vorbereitung dienen. Die gemeinsame Veranstaltungszeit wird anschließend für Diskussion, Reflexion und fachliche Vertiefung genutzt.
Berufsbegleitende Studienangebote: Zeitlich flexible Lernaktivitäten erleichtern die Vereinbarkeit des Studiums mit beruflichen und persönlichen Verpflichtungen.
Internationale Studienangebote: Ortsunabhängige Zugänge und mehrsprachige Benutzeroberflächen können den Einsatz in internationalen und sprachlich heterogenen Lerngruppen unterstützen.
Blended Learning: Individuelle digitale Lernphasen können mit synchronen Präsenz- oder Onlineveranstaltungen kombiniert werden.
Der Umfang dieser Flexibilität hängt vom eingesetzten Planspiel ab. Während einige Simulationen weitgehend eigenständig bearbeitet werden können, erfordern andere die zeitgleiche Zusammenarbeit mehrerer Personen oder eine kontinuierliche Moderation. Auch bei selbstständig durchgeführten Spielphasen bleibt die didaktisch angeleitete Reflexion ein wichtiger Bestandteil des Lernprozesses.
Neben fachlichen Kompetenzen können Planspiele auch zur Entwicklung fachübergreifender Zukunftskompetenzen, sogenannter Future Skills, beitragen.
Dazu zählen beispielsweise kritisches und analytisches Denken, Problemlösekompetenz, Kooperationsfähigkeit, Selbstorganisation und der konstruktive Umgang mit Unsicherheit. Das Future-Skills-Framework 2030 des Stifterverbandes beschreibt entsprechende Kompetenzen als bedeutsam für die Gestaltung einer sich wandelnden Arbeits- und Lebenswelt.
Planspiele bieten geeignete Lernanlässe, um diese Kompetenzen nicht nur theoretisch zu behandeln, sondern in konkreten Handlungssituationen anzuwenden und anschließend zu reflektieren. Welche Kompetenzen tatsächlich gefördert werden, hängt von den Lernzielen, den Spielmechaniken und der didaktischen Begleitung ab.
Der Einsatz eines Planspiels allein gewährleistet noch keinen Lernerfolg. Entscheidend ist die Einbindung in ein übergeordnetes Lehrkonzept. Dazu gehören die Vorbereitung der Teilnehmenden, die Begleitung während der Simulation und insbesondere die strukturierte Reflexion der Spielerfahrungen (Debriefing).
Die hochschuldidaktische Forschung liefert Hinweise auf positive Wirkungen simulationsbasierter Lernformen. Ein systematischer Literaturreview von Zeiner-Fink, Geithner und Bullinger-Hoffmann (2023) zeigt unter anderem, dass Realitätsnähe, Motivation und die Gestaltung des Lernumfelds wichtige Einflussfaktoren darstellen. Weitere Untersuchungen betonen die Bedeutung einer curricularen Einbindung und zeigen Einsatzmöglichkeiten in Online- und Flipped-Classroom-Lehrformaten.
Planspiele sind deshalb vor allem als Ergänzung etablierter Lehrmethoden zu verstehen. Sie ersetzen weder die fachliche Wissensvermittlung noch die kritische Auseinandersetzung mit theoretischen Grundlagen.
Zeiner-Fink, S., Geithner, S. & Bullinger-Hoffmann, A. C. (2023): Lerneffekte und Akzeptanz von Planspielen: Ein systematischer Literatur-Review. Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 18(Sonderheft Planspiele), 41–60.
Zürn, B., Trautwein, F. & Freese, M. (2023): Empfehlungen zur curricularen Integration von Planspielen in Wirtschafts-Studiengänge. Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 18(Sonderheft Planspiele), 167–185.
Alf, T. & Trautwein, F. (2023): Planspielbasierte Lehrveranstaltungen: Ein Vergleich zwischen Präsenz- und Onlinelehre. Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 18(Sonderheft Planspiele), 345–363.
Huang, Y.-M., Silitonga, L. M. & Wu, T.-T. (2022): Applying a business simulation game in a flipped classroom to enhance engagement, learning achievement, and higher-order thinking skills. Computers & Education, 183, 104494.
An der Technischen Hochschule Brandenburg werden Planspiele zur praxisorientierten Vermittlung fachlicher und überfachlicher Kompetenzen eingesetzt. Beispiele sind:
ThatSoftwareGame: Webbasiertes Serious Game zur Vermittlung von IT-Projektmanagement durch das Erleben und Reflektieren projektbezogener Entscheidungen.
Beer Distribution Game (Beer Game): Planspiel zur Simulation einer mehrstufigen Lieferkette. Studierende erleben, wie Informationsverzögerungen und lokale Entscheidungen zu Schwankungen bei Bestellungen und Lagerbeständen führen können (Bullwhip-Effekt). Im Mittelpunkt stehen das Verständnis komplexer Systeme, die Koordination und das Supply Chain Management.
TOPSIM – General Management: Computergestütztes Unternehmensplanspiel zur strategischen und operativen Unternehmensführung. Studierende befassen sich unter anderem mit betriebswirtschaftlichen Entscheidungsbereichen und deren Wechselwirkungen.
Fort Fantastic: Management-Planspiel, bei dem Teams die Betriebsabläufe eines virtuellen Freizeitparks steuern. Im Mittelpunkt stehen die Zusammenarbeit, Kommunikation, Führungsverhalten und das Verständnis organisatorischer Prozesse.
Mit ThatSoftwareGame hat die Technische Hochschule Brandenburg zudem ein eigenes webbasiertes Projektmanagement-Planspiel entwickelt. Das Serious Game wird in der Hochschullehre eingesetzt und im Hinblick auf seine didaktische Gestaltung und seine Einsatzmöglichkeiten wissenschaftlich untersucht. Weitere Informationen bietet die THB-Projektseite zu ThatSoftwareGame.