Die UNESCO hat gemeinsam mit der Technischen Hochschule Brandenburg den neuen UNESCO-Lehrstuhl „Digitalisierung von kulturellem Erbe in Krisengebieten der MENA-Region“ eingerichtet. Er arbeitet an der Schnittstelle von Informatik, Technik und Wirtschaft sowie Archäologie und Architektur und kooperiert mit zahlreichen Partnern im Nahen Osten und Nordafrika. Der Lehrstuhl wird von Prof. Julia Schnitzer als Chair und Prof. Dr. Thomas Preuß als Co-Chair geleitet. In Deutschland tragen 17 UNESCO-Lehrstühle zur Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsagenda bei. Sie stärken durch ihre Arbeit die Kooperation von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und gesellschaftlichen Akteuren in Ländern des Globalen Südens, in Deutschland und in Europa.
„Unser kulturelles Erbe stiftet Identität und ist für den gesellschaftlichen Zusammenhalt enorm wichtig“, sagt die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Prof. Dr. Maria Böhmer. „Gerade in Krisenregionen ist es besonders gefährdet. Digitale Technologien eröffnen neue Möglichkeiten, dieses Erbe für kommende Generationen zu bewahren und zugänglich zu machen. Der neue UNESCO-Lehrstuhl in Brandenburg verbindet technologische Expertise mit internationaler Kompetenz und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu den Zielen der UNESCO und der Vereinten Nationen.“
Praxisnahe Verfahren und hybride Lehrformate
In vielen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas wird der Schutz von Kulturgütern, Archiven und Sammlungen durch politische Instabilität, eine krisengebeutelte Infrastruktur oder fehlende Finanzmittel erschwert. Der neue UNESCO-Lehrstuhl widmet sich der Entwicklung und Anwendung ebenso praxisnaher wie kosteneffizienter digitaler Verfahren zur Archivierung, Dokumentation und Virtualisierung von materiellem und immateriellem Kulturerbe. Dazu zählen unter anderem die Digitalisierung und virtuelle Rekonstruktion von Museen, Bibliotheken und historischen, aber auch geologischen Stätten.
Die Technische Hochschule Brandenburg arbeitet dafür mit zahlreichen Partnern zusammen, derzeit vor allem im Irak, dem Libanon, Jordanien, Sudan und Oman. Eine Zusammenarbeit mit Syrien ist im Aufbau. Die Arbeit des Lehrstuhls umfasst zudem hybride Lehrformate, die Entwicklung frei zugänglicher Lernmaterialien sowie den Aufbau einer digitalen Plattform, über die Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Krisenregionen an Forschung und Lehre in Brandenburg beteiligt werden können.
Lehrstuhl wird gemeinschaftlich geführt
„Neben der Digitalisierung des kulturellen Erbes ist für mich die Zusammenarbeit mit Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in den MENA-Regionen besonders erfüllend“, erklärt Lehrstuhlinhaberin Schnitzer. „Gerade in Zeiten von Konflikten und eingeschränkter Infrastruktur ist es entscheidend, dass junge Menschen den Anschluss an die internationale Wissenschaftsgemeinschaft nicht verlieren. Mit unserem Projekt verbinden wir wissenschaftliche Exzellenz mit internationaler Vernetzung und schaffen Räume für Austausch, Zusammenarbeit und Perspektiven.“
Julia Schnitzer ist Professorin für Digitale Medien an der Technischen Hochschule Brandenburg. In Forschung und Lehre arbeitet sie seit mehreren Jahren zur Digitalisierung von kulturellem Erbe und koordiniert internationale Projekte mit Partnerhochschulen und Institutionen in Nordafrika, dem Nahen Osten und in Europa.
„Digitale Technologien ermöglichen es erstmals, kulturelles Erbe dauerhaft zu bewahren und für Menschen weltweit zugänglich zu machen“. unterstreicht Co-Chair Thomas Preuß. „Wichtig ist aber auch, dass diese digitalen Ressourcen offen verfügbar bleiben und nicht durch Abhängigkeiten von einzelnen Plattformanbietern eingeschränkt werden können.“
Thomas Preuß ist Professor für Cloud Computing und Informationssysteme an der Technischen Hochschule Brandenburg. Seit mehr als zwei Jahrzehnten befasst er sich in Forschung und Lehre mit Cloud-basierten Architekturen, vernetzten Informationssystemen und digitaler Infrastruktur für Lehre und Wissenschaft.
Hintergrund
Im weltumspannenden Netzwerk der UNESCO Chairs kooperieren rund 1.100 UNESCO-Lehrstühle in 130 Ländern, um die Ziele der UNESCO in Wissenschaft und Bildung zu verankern. In Deutschland gibt es 17 UNESCO-Lehrstühle. Sie tragen dazu bei, die Ziele der UN-Organisation in Wissenschaft, Forschung und Lehre zu verankern und den internationalen Wissensaustausch zu stärken. Sie fördern internationale Vernetzung, Dialog und nachhaltige Entwicklung rund um den Globus.
Gemeinsame Pressemitteilung der Deutschen UNESCO-Kommission und der Technischen Hochschule Brandenburg








