"Hightech für den Durchblick – Schlüsseltechnologien in der Augenoptik" – unter diesem Motto fand am 2. September 2026 im Kulturzentrum Rathenow eine Fachtagung anlässlich des Jubiläums "225 Jahre optische Industrie in Rathenow" statt. Die Stadt Rathenow organisierte die Veranstaltung gemeinsam mit der Technischen Hochschule Brandenburg (THB) und der Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH (WFBB). Rund 110 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und Praxis folgten der Einladung.
Das Programm präsentierte namhafte Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft, die aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven in der Augenoptik vorstellten. Im Mittelpunkt standen Künstliche Intelligenz (KI), digitale Anwendungen, innovative Fertigungs- und Analyseverfahren sowie Quantentechnologien. Dabei wurde deutlich, wie eng die Entwicklung der Augenoptik seit ihren Anfängen mit technologischem Fortschritt verbunden ist – von den ersten Läppmaschinen bis zur heutigen Freiform- und Blockless-Fertigung.
Martina Klement, Ministerin für Wirtschaft, Energie, Klimaschutz und Europa des Landes Brandenburg, richtete ein Grußwort an die Teilnehmenden und hob die praxisnahe Forschung im Bereich der Augenoptik in Brandenburg hervor. Anschließend begrüßten Rathenows Bürgermeister Jörg Zietemann und Michael Koch, Beigeordneter des Landkreises Havelland, die Gäste. Zietemann stellte die Verbindung zwischen der 225-jährigen Optiktradition und den aktuellen technologischen Entwicklungen heraus. Die Vielschleifmaschine von Johann Heinrich August Duncker aus dem Jahr 1801 stehe beispielhaft für den Pioniergeist, der den Optikstandort Rathenow bis heute prägt.
Fachbeitrag von THB-Professor
Prof. Dr. Justus Eichstädt, THB-Professor für Augenoptik / Optische Gerätetechnik, spannte in seinem Fachbeitrag den Bogen zwischen den historischen und zukünftigen Schlüsseltechnologien der Augenoptik. Ein Schwerpunkt lag auf dem Einsatz von digitalen Technologien. Neben der Automatisierung von Prozessen wurden Möglichkeiten zur Prüfung von Datenqualität, zur Erkennung von Anomalien und zur Entscheidungsunterstützung vorgestellt.
Zugleich wurde in der Präsentation von Augenoptikmeister und Optometrist René Hoffmann deutlich, dass KI-Fachwissen, hochwertige Daten und vor allem Menschen braucht, die ihre Ergebnisse einordnen können. Daniel Saßmannshausen von der Carl ZEISS Meditec AG gab Einblicke in den Einsatz von KI für Präzision, Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Entscheidungsunterstützung. Inessa Kuhnert und Michael Vaichenker vom Potsdamer KI-Startup XAIEN GmbH stellten in ihrem Vortrag ihre KI-basierte Echtzeitnavigation vor und berichteten über ihre Kooperation mit dem Rathenower Unternehmen Ophthalmica Brillengläser GmbH. Weitere Beiträge widmeten sich dem Potential von Quantencomputern wie das Design von optimierten Linsen sowie neuen Forschungsansätzen mit dem von DESY geplanten Röntgenmikroskop Petra IV.
Umrahmt wurde die Fachtagung von einer Begleitausstellung mit 27 Unternehmen und Institutionen. Die Aussteller präsentierten ihre Technologien, Produkte und Projekte und gaben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit, sich über aktuelle Entwicklungen der Branche zu informieren. Ergänzend zu den fachlichen Impulsen der Konferenz bot die Ausstellung Raum für den persönlichen Austausch und die Vernetzung.
Die Fachtagung zeigte, wie vielfältig die Zukunft der Augenoptik gedacht werden kann – von digitalen Augen und Predictive Health über vernetzte Versorgung bis hin zu individuell optimierten Optikdesigns sowie adaptiven und smarten Brillen. Auch langfristige Perspektiven wie neue Möglichkeiten der Material- und Qualitätsanalyse durch Forschungsinfrastrukturen wurden thematisiert. Die Veranstalter wollen auch künftig den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis aktiv unterstützen.
Weitere Aktivitäten mit THB-Beteiligung
Eingebettet war die Fachtagung in die Jubiläumswoche "225 Jahre optische Industrie in Rathenow". Hierbei gab es noch weitere Veranstaltungen mit THB-Beteiligung. Beim mit 35 Teilnehmenden ausgebuchten Rathenower Optik-Stammtisch beispielsweise war neben Justus Eichstädt auch Prof. Dr. Andreas Jechow dabei. Eichstädt ist Mitglied im Verein zur Förderung, Pflege und Erhaltung der optischen Traditionen, der den Stammtisch organisierte. Andreas Jechow, THB-Professor für Grundlagen der Augenoptik und der Optischen Gerätetechnik und gleichzeitig Dekan des Fachbereichs Technik, hielt den Vortrag "Auf der Suche nach der Nacht - Lichtverschmutzung vom Westhavelland bis in die Ferne".
Nach dem Optik-Stammtisch fand zudem noch einen Sternenabend statt, den Justus Eichstädt gemeinsam mit Thomas Becker vom Sternenpark Westhavelland organisiert hatte. Der THB-Professor referierte dabei zum Thema "Schupmann-Brachymedialfernrohr Typ B mit Sucheranpassung von Edwin Rolf". Thomas Becker demonstrierte den knapp 50 Teilnehmenden astronomische Fernrohre, darunter auch das 11,5 Meter hohe und 13 Tonnen schwere Brachymedialfernrohr in Rathenow. Dieses konnte außerdem begangen und besichtigt werden.
Im Rahmen des Rathenower Optik-Jubiläums wurde zudem eine Sonderausgabe des Rathenower Heimatkalenders mit dem Beitrag "Die Aus- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Optik in Rathenow" von Justus Eichstädt vorgestellt.





